Wer abends durch die Wohnung geht und das Licht löscht, sieht sie überall: kleine rote, orange und grüne Lämpchen. Der Fernseher wartet auf die Fernbedienung, der Receiver hält die Programmzeitschrift aktuell, die Kaffeemaschine zeigt die Uhrzeit. All das kostet Strom, rund um die Uhr, auch wenn niemand die Geräte aktiv nutzt. In deutschen Haushalten summiert sich dieser Stand-by-Verbrauch nach Schätzungen des Umweltbundesamtes auf mehrere Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.
Was Stand-by genau bedeutet
Stand-by bezeichnet den Betriebszustand, in dem ein Gerät nicht seiner eigentlichen Funktion nachgeht, aber dennoch mit dem Stromnetz verbunden ist und Energie zieht. Das Spektrum reicht von echtem Tiefschlaf mit weniger als 0,5 Watt bis hin zu aktivem Bereitschaftsbetrieb mit 10 Watt oder mehr. Letzteres trifft vor allem auf ältere Geräte zu, aber auch neue Modelle mit vernetzten Funktionen sind keine Ausnahme.
Ein einzelnes Gerät mit 5 Watt Dauerverbrauch kostet im Jahr rund 13 Euro, bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde. Das klingt wenig. Wer jedoch zehn solcher Geräte hat, zahlt 130 Euro allein für den Leerlauf. In einem typischen Haushalt mit Unterhaltungselektronik, Küche, Büro und Bad kommen schnell 20 bis 30 Geräte zusammen, die nie vollständig abgeschaltet werden.
Die größten Verbraucher im Überblick
Nicht alle Geräte sind gleich problematisch. Die folgende Tabelle zeigt typische Stand-by-Verbräuche häufig genutzter Haushaltsgeräte:
| Gerät | Typischer Stand-by-Verbrauch | Jahreskosten (ca.) |
|---|---|---|
| Satellitenreceiver (älteres Modell) | 10 bis 20 Watt | 26 bis 53 Euro |
| Spielekonsole (Netzwerk-Standby) | 3 bis 8 Watt | 8 bis 21 Euro |
| Fernseher (LED, ab 2018) | 0,3 bis 1 Watt | unter 3 Euro |
| Mikrowelle (Uhr aktiv) | 1 bis 3 Watt | 3 bis 8 Euro |
| Router / Modem | 5 bis 12 Watt | 13 bis 32 Euro |
| Ladegeräte ohne Gerät | 0,1 bis 1 Watt | unter 3 Euro |
Auffällig: Ältere Satelliten- und Kabelreceiver gehören zu den schlimmsten Energieverschwendern im Wohnzimmer. Sie aktualisieren im Hintergrund Programmdaten und verbrauchen dabei fast so viel wie im Betrieb. Wer ein solches Gerät besitzt und es täglich nur zwei Stunden aktiv nutzt, zahlt trotzdem das Dreifache im Stand-by.
Versteckte Verbraucher, die kaum jemand kennt
Neben den offensichtlichen Kandidaten gibt es Geräte, die selten auf dem Radar stehen. Viele Drucker ziehen im Netzwerk-Standby zwischen 3 und 6 Watt. Ältere Hi-Fi-Anlagen mit Fernbedienungsfunktion kommen auf 5 bis 8 Watt. Elektrische Zahnbürsten-Ladestationen verbrauchen kontinuierlich 1 bis 2 Watt, auch wenn die Bürste längst voll geladen ist. Selbst manche Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz haben einen Eigenverbrauch von 0,5 bis 1 Watt.
Wer den eigenen Haushalt systematisch erfassen will, kommt um ein Strommessgerät nicht herum. Diese Geräte werden für 10 bis 30 Euro angeboten und zeigen den tatsächlichen Verbrauch in Echtzeit. Eine Messung über 24 Stunden ergibt belastbare Zahlen. Wer sich vorab einen Überblick verschaffen möchte, welche Maßnahmen besonders viel bringen, findet bei Stand-by Strom sparen eine praxisnahe Zusammenfassung konkreter Einsparmöglichkeiten.
Abschalten allein reicht oft nicht
Das Ausschalten über die Fernbedienung bringt bei vielen Geräten kaum etwas. Der sogenannte Schein-Aus-Zustand ist technisch ein Stand-by-Modus: Das Gerät reagiert auf Fernbedienungssignale, also muss es dauerhaft empfangsbereit sein. Echtes Abschalten erfolgt nur durch Trennung vom Stromnetz, entweder durch Ziehen des Steckers oder durch eine schaltbare Steckdosenleiste.
Schaltbare Steckdosenleisten mit Master-Slave-Funktion sind dabei besonders praktisch. Der Fernseher bildet den Master: Sobald er ausgeht, schaltet die Leiste auch Receiver, Soundbar und Spielekonsole ab. Das spart ohne jeden manuellen Aufwand mehrere hundert Kilowattstunden pro Jahr. Modelle mit Zeitschaltuhr ermöglichen zusätzlich automatisches Abschalten in der Nacht, etwa beim Router.
Was die EU-Ökodesign-Verordnung bewirkt hat
Seit 2013 schreibt die europäische Ökodesign-Verordnung für die meisten Haushalts- und Bürogeräte einen maximalen Stand-by-Verbrauch von 0,5 Watt vor. Für Geräte mit Netzwerk-Funktionalität gilt ein Grenzwert von 2 Watt. Das hat die Situation bei neueren Geräten spürbar verbessert. Wer jedoch Geräte aus den Jahren vor 2010 betreibt, lebt mit Technik, die diesen Anforderungen nicht genügt.
Informationen zu den geltenden Anforderungen und Messtoleranzen liefert die Ökodesign-Richtlinie auf Wikipedia als kompakter Einstieg. Die rechtliche Grundlage findet sich in den entsprechenden EU-Verordnungen, deren nationale Umsetzung über das Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz geregelt ist.
Praxistipps für sofortige Einsparungen
- Receiver und Spielekonsolen komplett abschalten: Diese Geräte verursachen den größten Stand-by-Anteil im Wohnzimmer. Eine schaltbare Leiste amortisiert sich innerhalb weniger Monate.
- Ladekabel ohne Gerät ziehen: Auch ohne angeschlossenes Smartphone oder Tablet zieht das Netzteil Strom. Wer mehrere Ladegeräte dauerhaft in der Steckdose lässt, verschenkt bis zu 5 Euro im Jahr.
- Router nachts abschalten: Wer zwischen 1 und 7 Uhr keinen Internetzugang benötigt, kann den Router per Zeitschaltuhr abschalten. Bei 12 Watt Verbrauch und 6 Stunden Abschaltzeit spart das rund 26 Kilowattstunden im Jahr.
- Alte Geräte ersetzen: Ein Receiver aus dem Jahr 2005 verbraucht im Stand-by fünfmal mehr als ein aktuelles Modell. Der Austausch rechnet sich oft innerhalb von zwei bis drei Jahren.
- Messgerät kaufen und messen: Ohne konkrete Zahlen bleibt jede Einschätzung Spekulation. Zehn Minuten Messung pro Gerät reichen für eine belastbare Jahreshochrechnung.
Stand-by-Verbrauch ist kein Randproblem. Bei einem deutschen Durchschnittshaushalt mit rund 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch entfallen Schätzungen zufolge 5 bis 10 Prozent allein auf Leerlaufverluste. Das entspricht 175 bis 350 Kilowattstunden, also 53 bis 105 Euro pro Jahr. Diese Kosten entstehen ohne jeden Nutzen. Wer gezielt misst, schaltbare Steckdosenleisten einsetzt und alte Geräte aussortiert, kann diesen Anteil auf unter 2 Prozent drücken, ohne auf Komfort zu verzichten.













