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Preiskalkulation im Handel: Marge richtig rechnen

Preiskalkulation im Handel: Marge richtig rechnen

Preiskalkulation im Handel: Marge richtig rechnen

in Kaufratgeber
Lesedauer: 4 min.

Ein Produkt kostet im Einkauf 40 Euro, der Händler verkauft es für 60 Euro und glaubt, 33 Prozent Marge gemacht zu haben. Tatsächlich sind es 33 Prozent Aufschlag auf den Einkaufspreis, aber nur 25 Prozent Marge auf den Verkaufspreis. Dieser Unterschied klingt klein, summiert sich über hunderte Artikel jedoch zu erheblichen Fehlbeträgen. Wer Preise setzt, ohne die Grundbegriffe klar zu trennen, kalkuliert früher oder später in die rote Zone.

Aufschlag und Marge: zwei verschiedene Größen

Der Aufschlag (auch Handelsspanne im engeren Sinne) bezieht sich auf den Einkaufspreis als Basis. Die Marge hingegen bezieht sich auf den Verkaufspreis. Beide Prozentzahlen beschreiben denselben Rohertrag in Euro, aber in Relation zu unterschiedlichen Basiswerten.

Formel Aufschlag: (Verkaufspreis minus Einkaufspreis) geteilt durch Einkaufspreis mal 100

Formel Marge: (Verkaufspreis minus Einkaufspreis) geteilt durch Verkaufspreis mal 100

Konkretes Beispiel: Einkaufspreis 40 Euro, Verkaufspreis 60 Euro, Rohertrag 20 Euro. Aufschlag: 20 / 40 = 50 Prozent. Marge: 20 / 60 = 33,3 Prozent. Wer im internen Reporting „50 Prozent Marge“ kommuniziert und meint eigentlich den Aufschlag, schafft Verwirrung und falsche Erwartungen an die Profitabilität.

Vom Einkaufspreis zum kalkulierten Verkaufspreis

Die einfache Rechnung Einkauf plus Aufschlag greift in der Praxis zu kurz. Zwischen dem Nettoeinkaufspreis und dem Listenverkaufspreis liegen mehrere Kostenpositionen, die alle gedeckt sein müssen, bevor echte Marge entsteht.

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  • Bezugskosten: Fracht, Zoll, Verpackung beim Wareneingang
  • Lagerkosten: anteilige Raummiete, Versicherung, Kapitalbindung
  • Gemeinkosten: Personal, Verwaltung, Software, Marketing
  • Zahlungskonditionen: Skonto, das der Lieferant gewährt, aber auch Zahlungsziele, die der Händler seinen Kunden einräumt
  • Retouren und Schwund: im E-Commerce oft 5 bis 15 Prozent des Umsatzes

Ein praxisnaher Kalkulationsweg: Nettoeinkaufspreis plus Bezugskosten ergibt den Einstandspreis. Darauf kommt der Gemeinkostenzuschlag, anschließend der Gewinnzuschlag. Das Ergebnis ist der Nettoverkaufspreis, auf den zuletzt die Umsatzsteuer aufgeschlagen wird. Wer diesen Weg konsequent geht, hat am Ende einen Preis, der nicht nur die Ware bezahlt, sondern das gesamte Geschäft trägt.

Deckungsbeitrag: die relevantere Steuerungsgröße

Marge allein reicht nicht zur Unternehmenssteuerung. Entscheidend ist der Deckungsbeitrag, also der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten von einem Produkt verbleibt und zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Erst wenn alle Fixkosten gedeckt sind, beginnt der echte Gewinn.

Ein Beispiel aus dem Einzelhandel: Ein Händler verkauft monatlich 200 Einheiten eines Produkts zu je 60 Euro netto. Variable Kosten (Einkauf, Versand, Retouren) betragen 38 Euro pro Stück. Der Deckungsbeitrag je Einheit liegt bei 22 Euro, insgesamt also 4.400 Euro im Monat. Hat der Händler monatliche Fixkosten von 3.800 Euro, bleibt ein Gewinn von 600 Euro. Sinkt der Verkaufspreis durch eine Aktion auf 54 Euro, schrumpft der Deckungsbeitrag auf 16 Euro, der Gesamtbeitrag auf 3.200 Euro, und das Geschäft schreibt Verlust.

Das Konzept des Deckungsbeitrags ist auch in der betriebswirtschaftlichen Literatur klar definiert. Die Deckungsbeitragsrechnung auf Wikipedia gibt einen soliden Überblick über die verschiedenen Stufen dieser Methode, von DB I bis DB III.

Rabatte und Aktionspreise richtig einplanen

Viele Händler gewähren Rabatte, ohne vorher zu prüfen, ob die Marge das trägt. Ein Produkt mit 25 Prozent Marge auf den Verkaufspreis verkraftet einen Rabatt von 10 Prozent nicht einfach als „weniger Gewinn“. Der Effekt ist überproportional: Bei einer ursprünglichen Marge von 25 Prozent und einem Rabatt von 10 Prozent auf den Preis schrumpft die Marge auf knapp 17 Prozent. Der Rohertrag fällt um mehr als ein Drittel.

Für Gründer und kleine Händler empfiehlt sich ein einfaches Mindest-Marge-Modell: Vor jeder Aktion wird geprüft, bei welchem Preis der Deckungsbeitrag auf null fällt (Break-even-Preis), und ob die Mehrabsatzmenge diesen Verlust kompensiert. Wer sich grundlegende Kalkulationslogik für das eigene Geschäft erarbeitet, findet auf existenzgruender-magazin.de praxisnahe Beiträge zu Betriebswirtschaft und Gründungsplanung.

Umsatzsteuer nicht mit Marge verwechseln

Ein klassischer Anfängerfehler: Die Umsatzsteuer wird als Teil des eigenen Ertrags betrachtet. Das ist sie nicht. Die 19 Prozent Umsatzsteuer, die der Händler auf der Rechnung ausweist, fließen ans Finanzamt. Sie erhöhen den Bruttopreis, aber nicht die Marge. Wer einen Artikel für 71,40 Euro brutto verkauft, hat einen Nettopreis von 60 Euro. Die Marge berechnet sich ausschließlich auf Nettobasis. Die gesetzlichen Grundlagen zur Umsatzsteuer finden sich im Umsatzsteuergesetz auf gesetze-im-internet.de.

Eine einfache Kalkulationstabelle als Ausgangspunkt

Position Betrag (Euro)
Nettoeinkaufspreis 40,00
Bezugskosten (Fracht etc.) 3,00
Einstandspreis 43,00
Gemeinkostenzuschlag (25 %) 10,75
Selbstkosten 53,75
Gewinnzuschlag (12 %) 6,45
Nettoverkaufspreis 60,20
Umsatzsteuer (19 %) 11,44
Bruttoverkaufspreis 71,64

Diese Tabelle ist kein starres Schema, sondern ein Denkrahmen. Die Prozentsätze für Gemeinkosten und Gewinnzuschlag variieren stark nach Branche, Sortiment und Vertriebskanal. Im stationären Lebensmittelhandel arbeiten Händler teils mit Margen unter 2 Prozent auf Gesamtebene, im Fachhandel für Elektronikartikel mit 20 bis 35 Prozent, im Luxussegment deutlich darüber.

Margen systematisch überwachen

Einmalig kalkulieren reicht nicht. Einkaufspreise schwanken, Rohstoffkosten steigen, Wechselkurse verändern sich. Wer keine regelmäßige Margenkontrolle betreibt, merkt erst im Jahresabschluss, dass profitable Produkte längst in die Verlustzone gerutscht sind. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht regelmäßig Erzeuger- und Einfuhrpreisindizes, die als Frühindikator für steigende Einstandspreise dienen können.

Sinnvoll ist ein quartalsweiser Abgleich: Welche Artikel haben sich im Einstandspreis verändert? Wurden Verkaufspreise angepasst? Ist die Sortimentsmarge stabil? Händler, die diese Fragen systematisch beantworten, treffen Preisentscheidungen auf Basis von Zahlen, nicht auf Basis von Gefühl. Und genau das trennt langfristig profitable Betriebe von solchen, die trotz Umsatz kein Geld verdienen.

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